LS-Schalter B oder C Charakteristik: Unterschied einfach erklärt

Die Wahl zwischen B- und C-Charakteristik bei Leitungsschutzschaltern (LS-Schaltern) ist eine der grundlegendsten Entscheidungen in der Elektroinstallation. Sie bestimmt maßgeblich die Betriebssicherheit und den Schutz Ihrer Stromkreise. Doch welcher Typ ist der richtige für Ihren Anwendungsfall? In diesem Leitfaden erklären wir den LS-Schalter B oder C Charakteristik Unterschied verständlich, vergleichen die führenden Modelle von Hager, ABB und Siemens und geben Ihnen eine praxisnahe Entscheidungshilfe – ob für den Neubau in Hanau, die Modernisierung einer Gewerbeanlage im Rhein-Main-Gebiet oder die Planung einer industriellen Schaltanlage.

Warum die richtige Auslösecharakteristik entscheidend ist

Ein Leitungsschutzschalter hat zwei Hauptaufgaben: Er schützt die Leitung vor Überlast und vor Kurzschluss. Die Auslösecharakteristik, gekennzeichnet durch den Buchstaben B, C oder D, definiert den Bereich des Kurzschlussstroms, bei dem der Schalter sofort auslöst. Wählen Sie die falsche Charakteristik, drohen entweder Fehlauslösungen (Nuisance Trips) beim Einschalten von Geräten oder im schlimmsten Fall ein unzureichender Schutz der Leitung bei einem Kurzschluss.

Für Elektriker, Azubis und Planer ist das Verständnis dieses Unterschieds nicht nur Prüfungsstoff, sondern tägliche Praxis. Die Normenreihe DIN VDE 0100 schreibt vor, dass der Leitungsschutzschalter so zu wählen ist, dass er im Fehlerfall innerhalb von 0,4 Sekunden (bei Endstromkreisen bis 63 A) abschaltet. Die Charakteristik stellt sicher, dass diese Bedingung im gesamten Impedanzbereich der Installation eingehalten wird.

Die Charakteristiken im Detail: B, C und wann D?

Die Kennbuchstaben B, C und D beziehen sich auf das Verhältnis von Auslösestrom (Ia) zum Nennstrom (In). Sie geben an, bei welchem Vielfachen des Nennstroms der thermisch-magnetische Auslöser den Schalter innerhalb der vorgeschriebenen Zeit öffnet.

B-Charakteristik (Ia = 3 bis 5 x In)

Die B-Charakteristik ist der Standard für den Schutz von Stromkreisen mit überwiegend ohmschen Lasten. Sie löst bei einem Kurzschluss bereits bei dem 3- bis 5-fachen des Nennstroms aus. Das macht sie ideal für:

  • Beleuchtungsstromkreise (Glühlampen, LED)
  • Steckdosenstromkreise in Wohngebäuden ohne große Einschaltströme
  • Reine Widerstandslasten wie Heizgeräte

Ein typischer Vertreter ist der Hager MCB B16A (Bestell-Nr. MBN116). Er schützt einen 1,5 mm² NYM-Leitung bis zu einer Länge von ca. 50 Metern (bei TN-Netz) und ist die erste Wahl für den privaten Wohnungsbau. Der Vorteil liegt in der höheren Empfindlichkeit: Schon kleine Fehlerströme führen zur schnellen Abschaltung, was den Personenschutz verbessert.

C-Charakteristik (Ia = 5 bis 10 x In)

Die C-Charakteristik ist für Stromkreise mit höheren Einschaltströmen ausgelegt. Sie löst beim 5- bis 10-fachen Nennstrom aus. Das verhindert Fehlauslösungen, die bei B-Charakteristik durch die Einschaltströme von:

  • Leuchtstofflampen, Kompaktleuchtstofflampen
  • Kleinmotoren (z.B. in Küchengeräten, Lüftern)
  • Transformatoren (z.B. für Halogenlampen, Steuertrafos)
  • Schaltnetzteile (in Computern, Monitoren, LED-Treibern)

auftreten können. Der ABB LS C16A (Bestell-Nr. S201-C16) ist ein bewährter Standard für gemischte Stromkreise in Gewerbe und Industrie. Auch in Altbauten mit langen Kabelwegen wird häufig C-Charakteristik eingesetzt, da der höhere Auslösestrom die Impedanz des Stromkreises besser kompensiert.

D-Charakteristik (Ia = 10 bis 20 x In)

Die D-Charakteristik ist für spezielle Anwendungen mit sehr hohen Einschaltströmen reserviert, wie:

  • Große Motoren (z.B. in Aufzügen, Pumpen, Kompressoren)
  • Schweißgeräte
  • Röntgengeräte
  • USV-Anlagen

Im normalen Wohn- oder Geschäftsbau kommt sie selten zum Einsatz. Ein häufiger Fehler von Azubis ist die Wahl von D-Charakteristik für Steckdosenstromkreise mit vielen Verbrauchern – das ist nicht zulässig, da der Kurzschlussschutz der Leitung nicht mehr gewährleistet ist.

Vergleichstabelle: Hager, ABB, Siemens

Marke Modell Nennstrom Charakteristik Schaltvermögen Typische Anwendung Preisbereich (ca.)
Hager MBN116 16 A B 6 kA Beleuchtung, Steckdosen (Wohnbau) 5-8 EUR
Hager MCN116 16 A C 6 kA Gemischte Kreise (Gewerbe) 6-9 EUR
ABB S201-B16 16 A B 6 kA Wohnbau, ohmsche Lasten 7-10 EUR
ABB S201-C16 16 A C 6 kA Gewerbe, Motoren, Trafos 8-11 EUR
Siemens 5SL6116-7 16 A B 6 kA Standard Wohnbau 6-9 EUR
Siemens 5SL6216-7 16 A C 6 kA Standard Gewerbe 7-10 EUR
Eaton PLS6-B16 16 A B 6 kA Industrie, hohe Schaltspiele 11-15 EUR
Schneider Electric A9F79216 16 A C 6 kA Acti9 Serie, Gewerbe 9-13 EUR

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Auswahl-Leitfaden: So treffen Sie die richtige Entscheidung

Die Wahl zwischen B und C ist keine Glaubensfrage, sondern eine technische Berechnung. Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  1. Leitungslänge und -querschnitt ermitteln: Mit der Formel für den maximal zulässigen Kurzschlussstrom (Ia ≤ Uo / (2 * R)) können Sie prüfen, ob der Schalter im Fehlerfall auslöst. Faustregel: Bei B16A können Sie mit 1,5 mm² bis ca. 50 Meter gehen, bei C16A nur bis ca. 30 Meter.

  2. Verbraucher analysieren: Listen Sie alle Geräte auf, die an dem Stromkreis hängen. Gibt es Motoren, Trafos oder Schaltnetzteile mit hohem Einschaltstrom? Wenn ja, wählen Sie C.

  3. Selektivität beachten: In Unterverteilungen sollte die Charakteristik zum vorgelagerten Schalter passen. Typische Staffelung: Vorsicherung (z.B. NH-Sicherung 63 A) → Haupt-Leitungsschutzschalter (C-Charakteristik) → Endstromkreis (B-Charakteristik).

  4. Normvorgaben prüfen: Die DIN VDE 0100-520 (Auswahl von Betriebsmitteln) und die TAB der Netzbetreiber geben konkrete Vorgaben. In vielen Netzgebieten (auch in Hessen, z.B. Main-Kinzig-Kreis) ist für Steckdosenstromkreise in Wohngebäuden B-Charakteristik vorgeschrieben.

Installation Tipps für die Praxis

  • FI-Schutzschalter Kombination: LS-Schalter mit B- oder C-Charakteristik können problemlos mit FI-Schutzschaltern (RCDs) kombiniert werden. Achten Sie jedoch auf den Typ (z.B. Typ A für Frequenzumrichter). Bei ismailkar.de Elektroinstallation Store finden Sie passende Kombinationen von Hager (CDC-Serie) und ABB (F200-Serie).
  • Kabelquerschnitt: Für einen B16A LS-Schalter ist ein Leitungsquerschnitt von mindestens 1,5 mm² erforderlich. Bei C16A empfehlen wir 2,5 mm², um die Impedanz niedrig zu halten.
  • Prüfung nach Installation: Führen Sie immer eine Schleifenimpedanzmessung durch. Der gemessene Wert muss unter dem zulässigen Höchstwert liegen. Einfach ausgedrückt: Je länger die Leitung, desto größer muss der Querschnitt sein oder desto empfindlicher (B statt C) die Charakteristik.
  • Temperatur der Umgebung: LS-Schalter sind temperaturabhängig. In warmen Schaltschränken (z.B. in Industriehallen) kann die thermische Auslösung früher erfolgen. Berücksichtigen Sie den Temperaturfaktor (meist in der Produktdokumentation angegeben).
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FAQ — Häufig gestellte Fragen

F: Kann ich einen B16A LS-Schalter durch einen C16A ersetzen? A: Nein, nicht ohne Überprüfung der Leitungslänge und des Querschnitts. Ein C16A benötigt für die Kurzschlussauslösung einen höheren Strom (80 A statt 48 A bei B). Das bedeutet, die Leitung muss einen niedrigeren Widerstand haben, also kürzer oder dicker sein.

F: Welche Charakteristik ist für LED-Beleuchtung geeignet? A: B-Charakteristik ist meist ausreichend, da moderne LED-Treiber keine hohen Einschaltströme mehr haben. Bei sehr langen LED-Streifen (z.B. 50 Meter) oder vielen parallel geschalteten Netzteilen kann C-Charakteristik sinnvoll sein, um Fehlauslösungen zu vermeiden.

F: Was ist der Unterschied zwischen B- und C-Charakteristik bei Hager, ABB und Siemens? A: Die Charakteristik selbst ist genormt (DIN EN 60898-1) und daher bei allen Herstellern identisch. Der Unterschied liegt in der Bauqualität, den Zusatzfunktionen (z.B. Signalkontakt, Hilfsschalter) und der Preisgestaltung. Hager bietet ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, ABB überzeugt durch kompakte Bauweise und Siemens durch Langlebigkeit.

F: Gibt es eine Faustregel für die Auswahl? A: Ja: Für 95% aller Wohnbaustromkreise (Steckdosen, Licht) nehmen Sie B-Charakteristik. Für Gewerbe mit vielen Motoren, Trafos oder Schaltnetzteilen nehmen Sie C-Charakteristik. D-Charakteristik nur für Spezialfälle.

F: Muss ich bei der Auswahl die Netzform (TN, TT, IT) beachten? A: Ja. In TT-Netzen (z.B. in vielen Altbauten oder landwirtschaftlichen Anlagen) ist der Kurzschlussstrom geringer. Hier ist oft B-Charakteristik zwingend erforderlich, um die Abschaltbedingung zu erfüllen. In TN-Netzen (Standard in Deutschland) haben Sie mehr Spielraum.

F: Was kostet ein LS-Schalter bei ismailkar.de Elektroinstallation Store? A: Die Preise variieren je nach Marke und Serie. Ein Hager MCB B16A kostet ca. 5-8 EUR, ein ABB S201-C16 ca. 8-11 EUR. Bei größeren Mengen (ab 10 Stück) gewähren wir Sonderkonditionen.

F: Kann ich B- und C-Charakteristik in einer Unterverteilung mischen? A: Ja, das ist üblich. Für Beleuchtungskreise B, für Steckdosen mit höherer Last C. Achten Sie nur auf die Selektivität zur Vorsicherung.

Fazit / Kaufempfehlung

Die Wahl zwischen B- und C-Charakteristik bei LS-Schaltern ist keine intuitive Entscheidung, sondern eine technische Notwendigkeit. Für den Standard-Wohnbau mit Beleuchtung und normalen Steckdosen ist die B-Charakteristik die richtige Wahl – sie bietet den besten Personenschutz und ist kosteneffizient. Für Gewerbe, Industrie oder Stromkreise mit hohen Einschaltströmen ist die C-Charakteristik unverzichtbar.

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