Von der Ismailkar-Redaktion · Stand: 29.09.2026
Kurzdefinition: Ein Brandschutzschalter – auch Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung oder kurz AFDD (englisch: arc fault detection device) – ist ein Schutzgerät, das Fehlerlichtbögen in der elektrischen Installation erkennt und den betroffenen Anlagenteil abschaltet. Er ergänzt Leitungsschutzschalter und FI-Schutzschalter, ersetzt sie aber nicht.
Warum Fehlerlichtbögen gefährlich sind
Ein Fehlerlichtbogen ist ein ungewollter Lichtbogen in der Elektroinstallation. Er entsteht zum Beispiel an lockeren Klemmen, beschädigten Leitungen oder durch Feuchtigkeit. Entscheidend ist: Ein Lichtbogen erzeugt sehr hohe Temperaturen, aber häufig keinen Stromfluss, der einen Leitungsschutzschalter zum Auslösen bringt. Ein Fehlerstrom gegen Erde muss ebenfalls nicht auftreten. Das Ergebnis: Die Stelle erhitzt sich, ohne dass eine herkömmliche Schutzeinrichtung eingreift – eine der häufigsten Ursachen für elektrisch gezündete Brände.
Genau diese Lücke schließt der Brandschutzschalter.
Was ein AFDD leistet
Ein Brandschutzschalter unterscheidet zwei Arten von Fehlerlichtbögen:
- Serielle Fehlerlichtbögen entstehen in Reihe zum Verbraucher, etwa an einer gebrochenen oder gelockerten Leitung.
- Parallele Fehlerlichtbögen entstehen zwischen zwei Leitern oder zwischen Leiter und Erde.
Das Gerät wertet das Stromsignal digital aus und schaltet beim Auftreten solcher Lichtbögen den betroffenen Anlagenteil ab.
Die Normen dahinter
| Norm | Inhalt | Quelle |
|---|---|---|
| DIN EN 62606 (VDE 0665-10) | Produktnorm für Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (Brandschutzschalter) | Eaton, Fachbroschüre „Elektrisch gezündete Brände in Niederspannungsanlagen" |
| DIN VDE 0100-420:2016-02 | Errichten von Niederspannungsanlagen – Schutz gegen thermische Auswirkungen | Eaton, Fachbroschüre zur DIN VDE 0100-420:2016-02 |
Nach Angaben des Herstellers Eaton sind Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (Brandschutzschalter) nach DIN EN 62606 vorzusehen in einphasigen Stromkreisen mit einem Betriebsstrom nicht größer als 16 A. Die Installationsnorm DIN VDE 0100-420:2016-02 gilt für neue elektrische Anlagen sowie bei Änderungen oder Erweiterungen vorhandener Anlagen.
Wo ein AFDD vorgesehen ist
Die konkreten Anwendungsfälle beschreibt die Installationsnorm. Der Hersteller Doepke fasst sie auf seiner Produktseite zusammen: Brandschutzschalter sind laut DIN VDE 0100-420 vorgeschrieben für Schlaf- und Aufenthaltsräume von Kindertagesstätten, Seniorenheimen und barrierefreien Wohnungen sowie in feuergefährdeten Betriebsstätten.
Darüber hinaus kann ein Brandschutzschalter überall dort sinnvoll sein, wo mit erhöhter Brandgefahr zu rechnen ist – etwa in holzverarbeitenden Betrieben oder in Gebäuden mit vielen alten Leitungen, die nicht vollständig erneuert werden.
Brandschutzschalter oder FI/LS – was ist der Unterschied?
Die drei Schutzfunktionen decken drei verschiedene Fehlerarten ab und lassen sich nicht gegenseitig ersetzen:
| Gerät | Erkennt | Erkennt nicht |
|---|---|---|
| Leitungsschutzschalter (LS) | Überstrom und Kurzschluss | Fehlerströme gegen Erde, Fehlerlichtbögen |
| FI-Schutzschalter (RCD) | Fehlerströme gegen Erde | Überstrom, Fehlerlichtbögen |
| FI/LS-Schalter (RCBO) | Fehlerströme und Überstrom | Fehlerlichtbögen |
| Brandschutzschalter (AFDD) | Serielle und parallele Fehlerlichtbögen | Überstrom, Fehlerströme gegen Erde |
In der Praxis bedeutet das: Ein Brandschutzschalter kommt zusätzlich in den Stromkreis, nicht anstelle der bestehenden Schutzgeräte.
Auswahl in der Praxis: der Hager ARC916D
Ein typischer Brandschutzschalter für die DIN-Schiene ist der Hager ARC916D. Die wichtigsten Gerätedaten:
| Nennstrom | 16 A |
| Auslösecharakteristik | Typ B |
| Nennabschaltvermögen | 6 kA |
| Bemessungsbetriebsspannung | 230 V |
| Stoßspannungsfestigkeit | 4 kV |
| Isolationsspannung | 500 V |
| Energiebegrenzungsklasse | I²t 3 |
| Schaltspiele | bis 8.000 mechanisch / bis 2.000 elektrisch |
| Verlustleistung | 5,22 W |
| Breite | 2 Module |
| Maße (H × B × T) | 85 × 35,5 × 70 mm |
| Betriebstemperatur | −25 bis +60 °C |
| EAN | 3250611012665 |
Mit 16 A Nennstrom und einer Breite von nur zwei Modulen passt der Brandschutzschalter in übliche Verteilungen und kann mit einem FI/LS-Schalter im selben Stromkreis kombiniert werden. Für die Endstromkreise bieten sich als Ergänzung FI/LS-Schalter wie der Hager ADS910D oder ADS913D an; zur Verdrahtung innerhalb der Verteilung eignet sich eine Phasenschiene.
Worauf es bei der Auswahl ankommt
Bevor ein Brandschutzschalter ausgewählt wird, sollten vier Punkte geklärt sein:
- Betriebsstrom des Stromkreises: Die Norm nennt einphasige Stromkreise mit einem Betriebsstrom bis 16 A. Passt der vorhandene Stromkreis dazu, lässt sich ein 16-A-Gerät einsetzen.
- Bemessungsstrom des Geräts: Wie bei allen Schutzgeräten darf der maximal mögliche Betriebsstrom den Bemessungsstrom nicht überschreiten.
- Platzbedarf: Ein Brandschutzschalter belegt mehrere Module auf der Hutschiene. Vor der Nachrüstung ist zu prüfen, ob in der Verteilung noch genügend Teilungseinheiten frei sind.
- Kombinierbarkeit: Häufig wird der Brandschutzschalter mit einem FI/LS-Schalter im selben Stromkreis kombiniert. Beide Geräte müssen elektrisch und mechanisch zusammenpassen.
Für die Nachrüstung in Bestandsanlagen ist der Platzbedarf oft der kritische Punkt: Wird ein Gerät mit zwei Modulen Breite gewählt, bleibt in üblichen Verteilungen meist ausreichend Raum, um die vorhandenen Schutzgeräte zu behalten.
Häufige Fragen
Ersetzt ein Brandschutzschalter den FI-Schutzschalter?
Nein. Der Brandschutzschalter erkennt Fehlerlichtbögen, der FI-Schutzschalter schützt Personen vor elektrischem Schlag. Beide Funktionen sind eigenständig und werden in der Regel kombiniert.
Ist ein Brandschutzschalter Pflicht?
Nicht überall. Die Installationsnorm DIN VDE 0100-420 nennt konkrete Anwendungsfälle; laut Hersteller Doepke zählen dazu Schlaf- und Aufenthaltsräume von Kindertagesstätten, Seniorenheimen und barrierefreien Wohnungen sowie feuergefährdete Betriebsstätten. Ob Ihr Vorhaben betroffen ist, entscheidet die Planung und im Zweifel das zuständige Elektrofachunternehmen.
Ab wann gilt die Norm?
DIN VDE 0100-420:2016-02 ist nach Angaben des Herstellers Eaton für neue elektrische Anlagen sowie bei Änderungen oder Erweiterungen vorhandener Anlagen anzuwenden.
Kann ein AFDD Fehlauslösungen verursachen?
Moderne Geräte arbeiten mit digitaler Lichtbogendetektion und sind gegenüber hochfrequenten Störsignalen wie PowerLAN unempfindlich. Herstellerangaben zum jeweiligen Gerät geben hier Aufschluss.
Fazit
Der Brandschutzschalter schließt eine Lücke, die Leitungsschutzschalter und FI-Schutzschalter offenlassen: den unerkannten Fehlerlichtbogen. Wo die Norm ihn vorsieht, ist er Pflicht; darüber hinaus ist er überall dort eine sinnvolle Ergänzung, wo alte Leitungen weiterbetrieben werden. Wer einen Brandschutzschalter nachrüstet, sollte den Stromkreis gleich mitprüfen: Bemessungsstrom und Breite in Teilungseinheiten entscheiden darüber, ob das Gerät in die bestehende Verteilung passt.
Passende Schutzgeräte finden Sie in unseren Kategorien Reiheneinbaugeräte und FI-Schalter und FI-Schutzschalter. Als vorgelagerte Schutzeinrichtung eignet sich ein SLS-Schalter.
Quellen
- Eaton, „Elektrisch gezündete Brände in Niederspannungsanlagen" (Fachbroschüre): AFDD nach DIN EN 62606 (VDE 0665-10), DIN VDE 0100-420:2016-02, einphasige Stromkreise ≤ 16 A.
- Doepke, Produktseite Brandschutzschalter (AFDD): serielle und parallele Fehlerlichtbögen, Anwendungsfälle nach DIN VDE 0100-420.
- Hager, Gerätedaten ARC916D (Angaben aus dem Produktdatenblatt).